Das Nachhaltigkeitsdreieck -  Ein Definitionsansatz von Nachhaltigkeit

Das Nachhaltigkeitsdreieck

Ein Definitionsansatz von Nachhaltigkeit

Nachhaltige Dreieck

Einfache Definitionen und allgemeine Ansätze fokussieren sich überwiegend auf die Umweltaspekte von Nachhaltigkeit. In der ursprünglichen Definition, welche auf Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) zurückgeht, heißt es dazu:


"Wird derhalben die größte Kunst, Wissenschaft, Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen, wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen,
daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe,
weiln es eine unentberliche Sache ist,

ohne welche das Land […]nicht bleiben mag."
Hans Carl von Carlowitz S. 105-106 in der “Sylvicultura Oeconomica”. 


Der Ansatz ist erstmal gut, da ein Leben und Wirtschaften auf der Erde nur möglich ist, wenn kein Raubbau am Planeten verübt wird und er auch dauerhaft bewohnbar ist. Allerdings verfügt Nachhaltigkeit noch über weitere Dimensionen. Hierbei lassen sich mindestens drei Säulen der Nachhaltigkeit festlegen: 

Soziale Nachhaltigkeit
Ökonomische Nachhaltigkeit
Ökologische Nachhaltigkeit

Soziale Nachhaltigkeit 

Wie du dir sicher vorstellen kannst, ist eine allgemeingültige Definition von sozialer Nachhaltigkeit kompliziert. Einfach formuliert geht es um einen dauerhaften gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerechtigkeit und Humanität zählen dabei ebenso zu Kernwerten, wie die friedliche Lösung von Konflikten. Der deutsche Professor Michael von Hauff erklärt die soziale Nachhaltigkeit als Voraussetzung, um die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaftsform oder einer Volkswirtschaft sicherzustellen. („Soziale Nachhaltigkeit im Kontext der Neuen Institutionenökonomik“, S. 1). Übertragen auf jede*n Einzelne*n sind wir bereit, Mitglieder der Gesellschaft zu bestrafen, die mit ihrem Verhalten das Wohlergehen zukünftiger Generationen schädigen. Bei sozialer Nachhaltigkeit darf natürlich auch eine gerechte Verteilung der Ressourcen sowie des sozialen Kapitals nicht fehlen.

Ökonomische Nachhaltigkeit

Die ökonomische Nachhaltig ist unmittelbar mit der Wirtschaftsleistung einer Gesellschaft oder Volkswirtschaft verbunden. Diese Leistung ist nachhaltig, wenn Sie auch dauerhaft - also insbesondere in kommenden Generationen - betrieben werden kann. Die Wirtschaftsleistung wurde in der Vergangenheit mit Pro-Kopf-Einkommen, Wirtschaftswachstum oder Bruttoinlandsprodukt gleichgesetzt. Das Wohlbefinden eines Menschen ist aber nicht direkt und vor allem nicht ausschließlich von diesen Werten abhängig. Ein neuerer Ansatz ist die Messung des nationalen Wohlfahrtsindex. Dieser berücksichtigt zahlreiche monetäre bewertbare Komponenten, die über das Bruttoinlandsprodukt deutlich hinausgehen. So hat zum Beispiel der Gini-Index einen großen Einfluss auf den Wohlfahrtsindex. Der Gini-Index misst die Gleichverteilung der Einkommen. Deutschland schneidet aufgrund großer Ungleichheiten eher schlecht ab. So sank der Wohlfahrtsindex in den 2000er Jahren trotz steigender Wirtschaftsleistung (bis 2008). Mehr gibt es hier.

Ökologische Nachhaltigkeit

Jetzt schließt sich der Kreis wieder, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ökologische Nachhaltigkeit meint, dass die Natur durch die Menschen nur so beansprucht werden sollte, wie sich diese regenerieren kann - ein Kreislauf also. Im Kontext der sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit stellt die ökologische Nachhaltigkeit eine Art Voraussetzung dar. Wirtschaftliche und soziale Systeme können nur (nachhaltig) existieren, wenn die Menschheit auch über eine lebensfreundliche Umwelt verfügt. Streng formuliert dürfen Ressourcen nur in dem Maße verbraucht werden, in dem sie sich regenerieren können. Nicht regenerative Ressourcen dürfen nur dann verbraucht werden, wenn es einen Ausgleich (Substitutionsmöglichkeit) geben kann.

Zusammenfassung

Alle drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung sind eng verbunden und gleichrangig. Allerdings bleibt zu berücksichtigen, dass die lebenswerte Natur Bedingung für wirtschaftliche und soziale Systeme ist. Die Gleichrangigkeit der Dimensionen führt zwangsläufig dazu, dass eine Generationengerechtigkeit entsteht oder besser entstehen. Denn das ist nur die Theorie. In der Praxis wird dieser Ansatz kontrovers diskutiert, sodass sich zahlreiche Weiterentwicklungen ergeben haben.

Weitere Informationen:

  • Mehr zu Hans Carl von Carlowitz.
  • Einen sehr ausgewogenen Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema findest du hier.
  • Über die Rolle der Bürgergesellschaft bei nachhaltiger Entwicklung schreibt der angesprochene Michael von Hauff hier.